{"id":430,"date":"2022-09-23T14:48:55","date_gmt":"2022-09-23T12:48:55","guid":{"rendered":"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/?page_id=430"},"modified":"2022-10-28T15:50:04","modified_gmt":"2022-10-28T13:50:04","slug":"workshop-iii-orte-der-erinnerung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/workshop-iii-orte-der-erinnerung\/","title":{"rendered":"Workshop III \u201eOrte der Erinnerung\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Am 16. September 2022 trafen sich ein Geschichtskurs der Gesamtschule H\u00f6hscheid und interessierte Einzelbesucher:innen, um mit Armin Schulte und Daniela Tobias Orte zu besuchen, die an die ehemalige j\u00fcdische Gemeinde und j\u00fcdische Solinger:innen erinnern. Der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/juedischer-friedhof-solingen.de\/\" target=\"_blank\">j\u00fcdische Friedhof am Estherweg<\/a> war dabei eines der wenigen Beispiele, das \u00fcber das Thema \u201eHolocaust\u201c hinausreicht, wenn auch die Spuren der Verfolgung durch das NS-Regime un\u00fcbersehbar sind. An der Mauer neben dem Eingang weist seit 1998 eine Tafel mit den Namen der j\u00fcdischen Opfer auf die Verbrechen der Nationalsozialisten hin. Eine andere Tafel informiert in kurzen Eckpunkten \u00fcber die Geschichte des Friedhofs und nennt die Kontaktdaten der Alexander-Coppel-Gesamtschule, die im Rahmen einer <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/juedischer-friedhof-solingen.de\/ag-juedischer-friedhof\/\" target=\"_blank\">Arbeitsgemeinschaft<\/a> seit 1987 den Friedhof pflegt und F\u00fchrungen anbietet. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Begr\u00e4bnisst\u00e4tte der j\u00fcdischen Gemeinde wurde erstmals 1718 erw\u00e4hnt. Der \u00e4lteste Grabstein ist von 1820. Anhand der Gestaltung der Grabsteine l\u00e4sst sich sehr gut die Emanzipationsgeschichte der J\u00fcdinnen und Juden in Solingen ablesen, insbesondere bei der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/2021JLID\/die-familie-coppel\/\" target=\"_blank\">Familie Coppel<\/a>. Die Familiengruft des 1914 verstorbenen Ehrenb\u00fcrgers Gustav Coppel repr\u00e4sentiert die herausragende Stellung der Unternehmerfamilie in der Solinger Stadtgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMAG6722-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-435\" srcset=\"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMAG6722-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMAG6722-300x225.jpg 300w, https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMAG6722-768x576.jpg 768w, https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMAG6722-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMAG6722-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Auf dem j\u00fcdischen Friedhof. Foto: Daniela Tobias<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die in der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/closedbutopen-novemberpogrom\/1076\/\" target=\"_blank\">Pogromnacht <\/a>zerst\u00f6rte Friedhofskapelle wird heute durch Schotterstreifen sichtbar gemacht, die die Lage der fr\u00fcheren Au\u00dfenmauern markieren, jedoch gibt es sonst keine Erkl\u00e4rungen vor Ort dazu. Auf dem Rasen erinnert eine Tafel an die Mitglieder der j\u00fcdischen Gemeinde, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Diese und eine weitere identische Tafel befanden sich fr\u00fcher in der Friedhofskapelle und auch in der Synagoge und verdeutlichten das Selbstverst\u00e4ndnis der J\u00fcdinnen und Juden als deutsche B\u00fcrger. Auf dem Grab von <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/max-leven\/\" target=\"_blank\">Max Leven<\/a>, der in der Pogromnacht in seiner Wohnung erschossen wurde, errichtete die Stadt Solingen erst nachtr\u00e4glich auf Anregung der AG J\u00fcdischer Friedhof einen Grabstein. Namensplaketten erinnern, wie an einigen anderen Gr\u00e4bern auch, an die in den Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordeten Familienangeh\u00f6rigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom j\u00fcdischen Friedhof ging es Richtung Rathaus. An der Ecke Potsdamer Stra\u00dfe erinnert nichts mehr an das 2001 abgerissene Stadthaus. Hier wurden nicht nur politische Gegner gefangen gehalten und gefoltert, sondern auch im Nachgang der Pogromnacht 1938 j\u00fcdische M\u00e4nner inhaftiert, bevor einige von ihnen in das Konzentrationslager Dachau \u00fcberstellt wurden. Das Stadthaus war auch Informationszentrale in der Pogromnacht. Hier wurden die Listen mit den Adressen der j\u00fcdischen Wohnungen und Gesch\u00e4fte verteilt, zu denen dann die Schl\u00e4gertrupps ausr\u00fcckten.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Forum der Bergischen VHS fand eine kurze Kaffeepause statt, bevor die Gruppe weiter Richtung Neumarkt ging. Hier wies Armin Schulte anhand der Stolpersteine der Familie Brauer auf ein Verbrechen hin, das weit au\u00dferhalb des Stadtzentrums am Pfaffenberg stattfand. Hedwig Brauer geh\u00f6rte zu den sechs Personen, die dort in einem sogenannten \u201eJudenhaus\u201c wohnen mussten und im Juli 1941 Opfer eines brutalen Pogroms wurden. Die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/gedenken-und-stolpersteinverlegung-am-neumarkt\/5616\/\" target=\"_blank\">Verlegung des Steins<\/a> fand am Jahrestag des Pogroms statt. Eine zus\u00e4tzliche Infotafel am Pfaffenberg ist in Planung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMAG6707-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-438\" srcset=\"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMAG6707-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMAG6707-300x225.jpg 300w, https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMAG6707-768x576.jpg 768w, https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMAG6707-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMAG6707-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>An der Max-Leven-Gasse entsteht die neue Bildungs- und Gedenkst\u00e4tte. Foto: Daniela Tobias<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wenige Meter vom Neumarkt entfernt wird derzeit an der Baustelle der Stadt-Sparkasse Solingen an deren neuer Hauptgesch\u00e4ftsstelle gearbeitet. In das Geb\u00e4ude integriert entsteht zur Max-Leven-Gasse hin die zuk\u00fcnftige Bildungs- und Gedenkst\u00e4tte. 1979 bekam die ehemalige Hohe Gasse den Namen des j\u00fcdischen Kulturkritikers, der f\u00fcr die hier ans\u00e4ssige \u201eBergische Arbeiterstimme\u201c schrieb und der in der Pogromnacht in seiner Wohnung an der Hohen Gasse erschossen wurde. 2004 geh\u00f6rten die Stolpersteine f\u00fcr die Familie Leven zu den ersten, die in Solingen verlegt wurden. Die Vereinsvorsitzende Daniela Tobias erinnerte an die b\u00fcrgerschaftliche Initiative zur Einrichtung einer Bildungs- und Gedenkst\u00e4tte, die im September 2019 zur Gr\u00fcndung des <a href=\"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/verein-bildungs-und-gedenkstaette-max-leven-zentrum-solingen-gegruendet\/61\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vereins Max-Leven-Zentrum Solingen e. V.<\/a> f\u00fchrte und zur \u00dcbernahme der Tr\u00e4gerschaft durch die Stadt Solingen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Weg zum Bunker an der Malteserstra\u00dfe legte die Gruppe einen Zwischenstopp am ehemaligen Firmengel\u00e4nde der Familie Coppel ein. Von der Malteserstra\u00dfe aus ist gegen\u00fcber dem Amtsgericht noch ein Schild mit dem historischen Firmennamen Alcoso (Alexander Coppel Solingen) zu sehen, den die heute dort ans\u00e4ssige Firma weiter f\u00fchrt, auch wenn sie mit dem ehemaligen Unternehmen au\u00dfer dem Namen nichts mehr gemein hat. Die Familie Coppel wurde 1936 von den Nationalsozialisten enteignet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMAG6730-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-436\" srcset=\"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMAG6730-768x1024.jpg 768w, https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMAG6730-225x300.jpg 225w, https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMAG6730-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMAG6730-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMAG6730-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Horst Sassin sprach \u00fcber die Gedenkkultur am Bunker. Foto: Daniela Tobias<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Am Bunker Malteserstra\u00dfe erinnerte Horst Sassin, ehemaliger Geschichtslehrer des Gymnasiums Schwertstra\u00dfe, an eine von Lehrer:innen und Sch\u00fcler:innen getragene Initiative, eine Gedenktafel anzubringen. Sie sollte auf die Geschichte der <a href=\"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/\" data-type=\"page\" data-id=\"10\">Solinger Synagoge<\/a> hinweisen, die von 1872 bis1938 an dieser Stelle gestanden hatte. Trotz mancher Widerst\u00e4nde wurde die Tafel 1979 mit Unterst\u00fctzung von VVN\/BdA und der Gewerkschaft GEW angebracht. <\/p>\n\n\n\n<p>2021 hat die Stadt Solingen den Bunker vom Bund \u00fcbernommen, was zun\u00e4chst dazu f\u00fchrte, dass aus Sicherheitsgr\u00fcnden ein Zaun rund um das Geb\u00e4ude errichtet wurde und somit die Gedenktafel von der Stra\u00dfe aus nicht mehr lesbar ist. Seit dem <a href=\"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/festakt\/\" data-type=\"page\" data-id=\"232\">Festakt zum 150. Jahrestag<\/a> der Einweihung des Gotteshauses am 12. M\u00e4rz 2022 zitiert eine \u00fcber vier Meter gro\u00dfe Stahlskulptur des K\u00fcnstlers Michael Bauer-Brandes an der Fassade die Form einer Fensterrose der Synagoge. <\/p>\n\n\n\n<p>Der vierte Workshop der <a href=\"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/heimatwerkstatt\/\" data-type=\"page\" data-id=\"308\">Heimatwerkstatt<\/a> soll nun am 25. September 2022 Ideen f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Gestaltung des Bunkers und des umgebenden Gel\u00e4ndes sowie digitale Vermittlungsformen zur j\u00fcdischen Geschichte und Gegenwart liefern.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 16. September 2022 trafen sich ein Geschichtskurs der Gesamtschule H\u00f6hscheid und interessierte Einzelbesucher:innen, um mit Armin Schulte und Daniela<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"colormag_page_layout":"default_layout","footnotes":""},"class_list":["post-430","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/430","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=430"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/430\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":480,"href":"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/430\/revisions\/480"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/max-leven-zentrum.de\/150synagoge\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=430"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}