150 Jahre Solinger Synagoge

Am 8. März 1872 weihte die jüdische Gemeinde Solingens ihre neu gebaute Synagoge ein. Es war ein Fest für die gesamte Stadt und ihre Bevölkerung. Nach einem von der alten Synagoge ausgehenden Festumzug versammelten sich der Vorstand und die Repräsentanten der Gemeinde, die Honoratioren der Stadt und zahlreiche prominente Gäste zur Schlüsselübergabe vor dem Gotteshaus an der Malteserstraße. Aus der Festpredigt des Rabbiners Dr. Schwarz zitierte das Solinger Kreis-Intelligenzblatt: „daß in dem seit Jahrhunderten wegen seiner productiven Thätigkeit berühmten Solingen nie ein besserer Stahl geschmiedet worden sei, als der der brüderlichen Liebe unter allen Confessionen; das sei die beste Waffe gegen den Fanatismus.“ Der neoromanische Kuppelbau wurde für mehr als 60 Jahre zum Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens. Er bot 90 bis 100 Männern sowie 60 Frauen Platz, zudem umfasste er einen Wohnraum für den Gemeindelehrer.

Die „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten beendete 1933 die friedliche Koexistenz der Religionen. Juden wurden zu Staatsfeinden erklärt und sukzessive aus der NS-Gesellschaft ausgeschlossen.

In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 war die Synagoge gegen Mitternacht das Ziel eines 20-30 Mann starken SA-Trupps unter der Führung von Obersturmbannführer Alex Katerndahl. Das Gotteshaus wurde geplündert und in Brand gesteckt. Die Polizei schritt nicht ein, die Feuerwehr schützte lediglich die benachbarten Häuser vor dem Übergreifen der Flammen. Die Stadt Solingen ließ die Ruine abreißen, legte der Gemeinde die dafür entstandenen Kosten auf und zwang sie schließlich zur Übertragung des Geländes. 1943/44 errichtete sie einen Hochbunker auf dem Grundstück.

Am Samstag, 12. März 2022 beging die Stadt Solingen mit einem Festakt den 150. Jahrestag der Einweihung der Solinger Synagoge.

Skulptur der Fensterrose am Bunker. Foto: Daniela Tobias

Zunächst wurde am Bunker Malteserstraße die von dem Solinger Künstler Michael Bauer-Brandes entworfene Fensterrose durch Oberbürgermeister Tim Kurzbach und Rabbiner Chaim Kornblum eingeweiht. Sie soll die Geschichte des Ortes wieder sichtbar machen, die lange Zeit durch Beton und Efeu verdeckt wurde. Der im Durchmesser vier Meter breite Entwurf greift die Gestalt der originalen Fensterrose der Synagoge auf und abstrahiert deren Form durch Ringe aus geschichteten Cortenstahl-Winkeln. Die innenliegenden sechs Davidsterne aus Edelstahl stehen sinnbildlich für das jüdische Leben, das hier sein Zentrum hatte. Gerade weil die Rheinische Landeszeitung am 11. November 1938 meinte triumphieren zu können, dass der „provozierende“ Davidstern nun nicht mehr über Solingen leuchte, ist ein solches Zeichen der Erinnerung und Mahnung heute umso wichtiger.

Bei dem sich anschließenden Festakt für geladene Gäste in der evangelischen Stadtkirche am Fronhof sprach Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Mitbegründer des Vereins „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ und Vorstandsmitglied der Synagogen-Gemeinde Köln, als Gastredner. Anwesend waren auch Nachfahr:innen der Familien Coppel und Feist sowie Vertreter:innen der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal.

Am Sonntag, 13. März 2022 wurden die Stolpersteine der Familien Siegfried und Albert Feist in Anwesenheit von Angehörigen zunächst an der Katternberger Straße 37 und anschließend an der Kölner Straße 18 verlegt.