#closedbutopen Karl Bennert

Da die Ausstellung „… und laut zu sagen: Nein.“ auf das Frühjahr 2021 verschoben werden musste, stellen wir jeden Samstag Teile daraus hier vor, um ein paar Eindrücke davon zu vermitteln, welche Formen, Strategien und Bedingungen es für den Widerstand gegen das NS-System in Solingen gab und welche Folgen ausbleibender Widerstand hatte.

Sonderausweis von Karl Bennert, Quelle: Stadtarchiv Solingen, Ve 73-21

Der Handlungsgehilfe Karl Bennert wurde am 4. Juli 1912 in Merscheid geboren, war zweimal verheiratet und hatte drei Kinder. Gegen Kriegsende sorgte er mit einer antifaschistischen Widerstandsgruppe dafür, dass Solingen-Wald kampflos an die Alliierten übergeben werden konnte. Er starb am 14. Februar 2000 in Solingen.

1943 hatte sich in Solingen-Wald eine kleine Widerstandsgruppe gebildet, der auch der Kommunist Bennert angehörte. Als sich im Jahre 1944 immer deutlicher die Niederlage der Wehrmacht und damit das Kriegsende ankündigte, versuchten Karl Bennert, Alex Borgermans, Artur Dillenberg, Helmut Mertens sowie Fritz und Karl Rauh diesen Tag vorzubereiten. Größte Geheimhaltung war gefordert, weil man im letzten Augenblick mit Racheakten der Nationalsozialisten rechnete.

„Es war uns während der ganzen Zeit nicht möglich gewesen, diese Gruppe zu vergrößern oder neue Gruppen zu bilden, da diejenigen, die vertrauenswürdig waren, sich weigerten mitzumachen und es sich von selbst verbot, an zweifelhafte Personen heranzutreten.“

Erinnerungen von Karl Bennert

Das Militär hatte in aller Eile mit Hilfe der Hitlerjugend Panzersperren errichtet, um so den Vormarsch der Amerikaner noch zu stoppen. In Abständen fuhren Patrouillen durch die Straßen und versuchten, das Aushängen weißer Fahnen zu verhindern.

Nachdem im „Walder Schlauch“ bei einem Schusswechsel zwischen Widerstandskämpfern und einer Militärpatrouille die junge Mutter Ruth Dornhaus, die vor einem Geschäft stand, tödlich getroffen worden war, trat die Gruppe in Aktion, um weitere Opfer und die Zerstörung des Stadtteils zu verhindern. Sie drang in das Walder Rathaus ein und gab sich als Bürgerausschuss aus.

Polizeileutnant Alois Anhalt, der sich weigerte, die weiße Beflaggung Walds anzuordnen, wurde entwaffnet und seines Dienstes enthoben. Mit der Unterstützung von Polizeimeister Ludwig Mönning schafften es die Männer, den Stadtteil ohne weiteres Blutvergießen an die amerikanischen Truppen zu übergeben.

Karl Bennert unterstütze die US Army in den folgenden Wochen bei der Aufklärung des Massakers an 71 Häftlingen am Wenzelnberg. Darüber berichtete er der Solinger Filmemacherin Yvonne Dobrodziej 1995 für den Dokumentarfilm „Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch…“

Am 8. Mai 2015, dem 70. Jahrestag der Befreiung, wurde vor dem Walder Rathaus eine Gedenkstele eingeweiht, die an den lebensgefährlichen Einsatz der Widerstandskämpfer um Karl Bennert im April 1945 erinnert.

Eine weitere Folge zum Kriegsende über das Massaker in der Wenzelnbergschlucht folgt am nächsten Samstag.

Quellen:
– Stadtarchiv Solingen, Ve 73-21 und RS 16028 (Bruno Unterbühner)
– Inge Sbosny, Karl Schabrod: Widerstand in Solingen, Frankfurt am Main 1975
– „Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch…“, Yvonne Dobrodziej, 1995

Die empirische und konzeptionelle Grundlagenarbeit zur Ausstellung durch Dr. Stephan Stracke wurde mit Mitteln der Landeszentrale für politische Bildung NRW gefördert.

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