#closedbutopen Bombenangriffe auf Solingen

Da die Ausstellung „… und laut zu sagen: Nein.“ auf das Frühjahr 2021 verschoben werden musste, stellen wir jeden Samstag Teile daraus hier vor, um ein paar Eindrücke davon zu vermitteln, welche Formen, Strategien und Bedingungen es für den Widerstand gegen das NS-System in Solingen gab und welche Folgen ausbleibender Widerstand und Widerspruch hatten.

Bereits 1940 war Solingen Ziel von Bombenangriffen der Alliierten. Es gab sieben Angriffe mit einem Toten und acht Verletzten. 1941 wurden zehn Angriffe mit einem Toten und sechs Verletzten gezählt. Im Jahr 1942 kam es bei drei Angriffen zu sechs Verletzten. 1943 stiegen die zivilen Verluste bei 13 Angriffen auf 63 Tote und 155 Verletzte.

Beim Doppelangriff auf Solingen am 4. und 5. November 1944 starben bis zu 1.900 Menschen. Darunter waren mindestens 111 ausländische ZwangsarbeiterInnen und Kriegsgefangene und insgesamt fünf gefangene alliierte Flieger aus Kanada, Großbritannien und Frankreich, die gelyncht wurden.

Gräberfeld der Opfer der Bombardierung Solingens auf dem Gräfrather Parkfriedhof. Foto: Daniela Tobias

Allein an diesen beiden Tagen wurden nach Auswertungen des Stadtarchivs 1.609 Wohngebäude total zerstört, 529 schwer, 1.372 mittel und 2.939 leicht beschädigt. Ein weiterer großer Doppelangriff zielte an Silvester 1944 und Neujahr 1945 auf Wuppertal-Vohwinkel. Sowohl im Stadtteil Wald als auch in Gräfrath starben an beiden Tagen auf Solinger Stadtgebiet 117 Menschen. 128 Menschen wurden verletzt. Zu den Opfern gehörten auch zwei britische Soldaten, die den Absturz ihres Flugzeugs überlebten und von einem Polizisten ermordet wurden.

„Solingen, das Herz der deutschen Stahlwarenindustrie, ist eine zerstörte, tote Stadt.“

Britischer Rundfunk, 5. November 1944
Foto der zerstörten Innenstadt 1946 von der Clemenskirche (links) bis zur Hauptstraße/Höhe Breidbacher Tor, Quelle: Stadtarchiv Solingen, RS 10532

Der letzte große Luftangriff am 16. Februar 1945 zielte auf die für die Luftwaffe produzierende Leichtmetall-Gießerei Rudolf Rautenbach am Mangenberg. Es starben 105 Menschen, darunter waren mindestens 52 ausländische ZwangsarbeiterInnen und Kriegsgefangene. Insgesamt starben 1945 bis zur Befreiung Solingens durch amerikanische Truppen am 17. April 1945 noch einmal 194 Menschen.

Todesanzeigen für die Bombenopfer erschienen ab dem 11. November 1944 bis Ende Dezember im Solinger Tageblatt mit Formulierungen wie „Ein schwerer Schicksalsschlag zerstörte plötzlich durch Terrorangriff…“, Quelle: Stadtarchiv Solingen

Quellen:
– Daniela Tobias: Foto Parkfriedhof Gräfrath
– Stadtarchiv Solingen: Foto der zerstörten Innenstadt, RS 10532 und Todesanzeigen im Solinger Tageblatt von November/Dezember 1944, siehe auch: https://zeitpunkt.nrw/ulbbn/date/calendar/8902967?d=1944
– Ralf Rogge, Armin Schulte: „Solingen im Bombenhagel: 4. und 5. November 1944“, Wartberg-Verlag 2003

Die empirische und konzeptionelle Grundlagenarbeit zur Ausstellung durch Dr. Stephan Stracke wurde mit Mitteln der Landeszentrale für politische Bildung NRW gefördert.

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