#closedbutopen Tilde Klose

Da die Ausstellung „… und laut zu sagen: Nein.“ auf das Frühjahr 2021 verschoben werden musste, stellen wir jeden Samstag Teile daraus hier vor, um ein paar Eindrücke davon zu vermitteln, welche Formen, Strategien und Bedingungen es für den Widerstand gegen das NS-System in Solingen gab und welche Folgen ausbleibender Widerstand hatte.

Portrait Tilde Klose, Quelle: Stadtarchiv Solingen, RS 16471

Mathilde „Tilde“ Klose, am 12. Dezember 1892 in Solingen geboren, stammte aus gutbürgerlichem Haus. Ihr Vater war der Direktor der Solinger Gas- und Wasserwerke. Schon früh zeigte sich Kloses Begabung für Fremdsprachen. Ende 1909 ging sie mit 17 Jahren alleine nach Paris. Ein halbes Jahr später erreichte sie die Nachricht vom überraschenden Tod des Vaters.

Tilde Klose studierte weiter in Paris und London, musste nun aber selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen. Sie sah in den Städten das Elend der Arbeiterschaft. Schon vor dem Ersten Weltkrieg wurde sie daher Mitglied der SPD. Anfang der 1920er Jahre fand sie eine Anstellung als Auslandskorrespondentin bei den Mannesmann-Röhrenwerken in Düsseldorf.

Nach einem Besuch der Sowjetunion trat sie 1931 der KPD bei. Seit der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ beteiligte sich Klose aktiv am Widerstand. Ab Frühjahr 1934 wurde die illegale kommunistische Organisation Düsseldorf-Altstadt enttarnt, Tilde Klose am 4. Oktober verhaftet. Fast 70 Angeklagte standen ab 25. Februar 1935 vor Gericht. Am 8. März 1935 wurden die Urteile gesprochen: für Tilde Klose vier Jahre Zuchthaus. In der Urteilsbegründung hieß es aufgrund ihrer Aussageverweigerung:

„Bei der Strafzumessung war erschwerend zu berücksichtigen, dass die Angeklagte Klose sich in fester, gut bezahlter Stellung befand und dass sie durch Leugnen und unvollständige Angaben – den Weisungen der KPD folgend – die restlose Aufklärung unmöglich gemacht hat.“

Urteil gegen Tilde Klose, 8. März 1935

Nach fast vier Jahren in den Gefängnissen Ziegenhain, Gotteszell und Aichach wurde sie trotz ihrer angegriffenen Gesundheit von der Gestapo in „Schutzhaft“ genommen. Die nächste Leidensstation war im Frühjahr 1939 das neu eingerichtete Frauen-KZ Ravensbrück. Zehntausende wurden hier ermordet, starben an Hunger, Krankheiten und durch medizinische Experimente. Firmen errichteten in unmittelbarer Nähe des KZ Werkhallen, in denen die Häftlinge Zwangsarbeit leisten mussten. Waren die Frauen nicht mehr arbeitsfähig, drohte ihnen die Ermordung.

„So furchtbar mein augenblickliches Schicksal ist, so kann mir meinen Trost, mein unbeschwertes Gewissen und das Bewusstsein, mich immer leidenschaftlich für die Menschenrechte und Gerechtigkeit eingesetzt zu haben, niemand nehmen.“

Tilde Klose in einem Brief vom 4. November 1934

Die an Tuberkulose erkrankte Tilde Klose wurde im Februar 1942 nach Bernburg an der Saale gebracht, wo sie durch LKW-Abgase umgebracht wurde. Ihr genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Am 7. Februar 2006 wurde an der Gasstraße ein Stolperstein für Tilde Klose verlegt. Er wird seit 2018 von der Gesamtschule Höhscheid geputzt. Im Dezember 2013 wurde in Ohligs eine Straße nach Tilde Klose benannt.

Briefmarkenserie der DDR mit ehemaligen weiblichen Häftlingen des KZ Ravensbrück, darunter Tilde Klose oben rechts, Quelle: Daniela Tobias

Quellen:
– Ulla Feldhaus: Furchtlos. Das Leben der Solingerin Tilde Klose, Solingen 2011
– Armin Schulte: „Man soll mich nicht vergessen!“ Stolpersteine in Solingen, Schicksale 1933-1945, Solingen 2020, darin: Tilde Klose
– Stadtarchiv Solingen: Portrait RS 16471 und Briefe Kl 70, RS 16472
– Inge Sbosny, Karl Schabrod: Widerstand in Solingen, Frankfurt am Main 1975

Die empirische und konzeptionelle Grundlagenarbeit zur Ausstellung durch Dr. Stephan Stracke wurde mit Mitteln der Landeszentrale für politische Bildung NRW gefördert.

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