Kölner Straße 46

Links: Postkarte von 1926, Deutscher Metallarbeiter-Verband, Kölner Straße 46/ Ecke Birkerstraße. Quelle: Stadtarchiv Solingen, PK 5464
Rechts: aktuelle Aufnahme, Juli 2020, Foto: Daniela Tobias

Deutscher Metallarbeiter-Verband

Solingen war eine der Wiegen der deutschen Arbeiterbewegung mit bedeutenden Fachvereinen und Gewerkschaftsgruppen sowie einer starken → Sozialdemokratie. So waren die Schleifer, die im Auftrag der Industrie als Heimarbeiter in ihren eigenen Kotten arbeiteten, lange in ihrem unabhängigen „Industriearbeiterverband“ organisiert. Erst 1926 schloss dieser sich dem Deutschen Metallarbeiter-Verband DMV an. Auf dem Höhepunkt der gewerkschaftlichen Organisierung waren 1923 mindestens 80 Prozent der Metallarbeiter in Solingen organisiert.

Der DMV residierte ab 1927 an der Kölner Str. 46, vorher war er im gegenüberliegenden → Gewerkschaftshaus gemeldet.

Als die → KPD 1928 ihre Angriffe gegen die sozialdemokratisch dominierten Freien Gewerkschaften verschärfte, rief das massive innerparteiliche Kritik am politischen Kurs der KPD hervor. Die Kritiker, zum Teil bedeutende Funktionäre der Partei und des DMV wie Ernst Becker (Chefredakteur der → Bergischen Arbeiterstimme) und Walter Rautenbach (Solinger Bevollmächtigter des DMV), verteidigten die alte Einheitsfrontpolitik und wurden aus der Partei ausgeschlossen. Sie versuchten sich später als → KPO zu reorganisieren.

1929 verschärfte sich die Diskussion innerhalb des DMV erneut. Der Zentralvorstand setzte wegen einer Auseinandersetzung um die Frage von Zwangsschlichtungen die kommunistisch dominierte Solinger Ortsverwaltung ab und ersetzte sie durch eine kommissarische Verwaltung aus zwei SPD-Mitgliedern. In der Folge spaltete sich der etwa 12.000 Mitglieder zählende DMV. Die alte Ortsverwaltung und viele Betriebsräte wurden ausgeschlossen. Den KPD-Mitgliedern wurde sogar Hausverbot für das Gewerkschaftshaus erteilt, den traditionsreichen Versammlungsort der Solinger Arbeiterbewegung.

Die Ausgeschlossenen sammelten sich ab Sommer 1930 im „Einheitsverband der Metallarbeiter“, der in Hochzeiten 3.000 Mitglieder organisieren konnte. Er scheiterte aber weitgehend an dem selbstgesteckten Ziel, Lohnkürzungen durch Streiks zu verhindern.

Stephan Stracke / Daniela Tobias


Konsumgenossenschaft „Hoffnung“

Das frühere Hotel „Europäischer Hof“ an der Kölner Str. 46 hatte die Konsumgenossenschaft „Hoffnung“ 1922 zu ihrem Textil- und Schuhkaufhaus umgebaut. Neben dem Büro des DMV hatte hier auch das gewerkschaftliche „Lindcar-Fahrradwerk“ eine Verkaufsstelle. 1921 hatte sich die 1904 gegründete Ohligser Konsumgesellschaft „Solidarität“ mit der Kölner „Hoffnung“ zusammengeschlossen und deckte ein Gebiet bis nach Koblenz ab. In Solingen waren bis zu 26 Prozent der Haushalte in dem Konsumverein organisiert. In den meisten Siedlungen des → Spar- und Bauvereins gab es Verteilungsstellen.

Nach 1925 war die Rheinisch-Bergische Konsumgenossenschaft nicht mehr im Adressbuch gelistet, wurde 1938 aber noch als Eigentümerin des Hauses genannt. 1941 wurde die Genossenschaft zwangsweise in die Deutsche Arbeitsfront (DAF) überführt.

In der Spar- und Bauvereins-Siedlung Weegerhof hatte die rheinisch-bergische Konsumgenossenschaft „Hoffnung“ ebenfalls eine Filiale. Von der Verkaufsstelle an der Kölner Straße ist kein Foto erhalten. Quelle: Spar- und Bauverein Solingen eG

Adressbuch 1925:
– Konsum Hoffnung
Adressbuch 1927:
– Deutscher Metallarbeiter-Verband
Adressbuch 1929:
– Deutscher Metallarbeiter-Verband
Adressbuch 1931:
– Deutscher Metallarbeiter-Verband
Adressbuch 1938:
– Eigentümer: „Hoffnung“, Köln-Kalk

Quellen:
– „Reformführer NRW, Soziale Bewegungen, Sozialreform und ihre Bauten“, Klaus Novy, Arno Mersmann, Bodo Hombach [Hrsg.], Köln 1991
– „Das genossenschaftliche Solingen“, Arno Mersmann, Solingen 1997
– Ausstellung „… und laut zu sagen: Nein.“, Max-Leven-Zentrum Solingen e.V./Stephan Stracke, Solingen 2020

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