Kölner Straße 47

Links: aktuelle Aufnahme, Juli 2020, Foto: Daniela Tobias
Rechts: Kölner Str. 47, Spar- und Bauverein (rechts) dahinter das Gewerkschaftshaus, Quelle: Stadtarchiv Solingen, PK 1704 (Cramers Kunstanstalt, Dortmund)

Spar- und Bauverein Solingen (ab 1929)

Oskar Rieß (SPD) war bis 1933 Geschäftsführer des Solinger Spar- und Bauvereins. Quelle: Stadtarchiv Solingen

Als der Spar- und Bauverein Solingen im Mai 1929 von der → Birker Straße 4 in den Neubau an der Kölner Straße 47 zog, zählte er zu den größten Baugenossenschaften Deutschlands. Die Zusammenarbeit mit der Stadt Solingen in der Wohnungsbaupolitik war sehr eng, bis hin zu personellen Verflechtungen.

Der viergeschossige Backsteinbau mit ausgebautem Dachgeschoss erstreckte sich über 60 Meter Frontlänge, wobei der größere Teil mit seinem markanten fünfgeschossigen Turm von der → AOK genutzt wurde. Der Entwurf stammte von vom Hausarchitekten des SBV, Franz Perlewitz, der den ausgeschriebenen Wettbewerb für sich entscheiden konnte.

Der Geschäftsführer Hermann Meyer (→ SPD) unterlag 1930 dem → Kommunisten Hermann Weber bei der Wahl zum Oberbürgermeister der 1929 vereinigten Großstadt Solingen. Er wechselte daraufhin als Ministerialdirektor ins preußische Wohlfahrtsministerium. Seine Nachfolge traten Oskar Rieß als kaufmännischer und Richard Voigt als technischer Geschäftsführer an. Beide hatten mit den Folgen der Weltwirtschaftskrise zu kämpfen. Bereits 1931 war fast die Hälfte der Mitglieder des SBV arbeitslos. Auch die öffentliche Förderung des Wohnungsbaus kam zum Erliegen.

Im Januar 1933 versuchte sich der kommissarische Bürgermeister Josef Brisch, der anstelle des gewählten KPD-Kandidaten Hermann Weber von der preußischen Regierung eingesetzt worden war, zum Vorstandsvorsitzenden des SBV wählen zu lassen, unterlag aber dem langjährigen Vorstandsmitglied Hugo Schaal. Wenig später wurde die Baugenossenschaft mit ihren über 6.000 Mitgliedern von den nationalsozialistischen Machthabern gleichgeschaltet. Brisch und Heinrich Schroth, der der Sozialistischen Arbeiterpartei angehörte, wurden aus dem Aufsichtsrat und dem Bauverein ausgeschlossen. Schroth war einer der ersten, die in das KZ Kemna nach Wuppertal verschleppt wurden. Bei der Wahl zum Aufsichtsrat kamen im Juni 1933 nur NS-genehme Kandidaten zum Zuge. Oskar Rieß blieb zwar zunächst im Vorstand und als Geschäftsführer im Amt, da er eine Lebensstellung bei der Genossenschaft inne hatte, aber bereits im September wurde er mit sofortiger Wirkung freigestellt.

Im Vorstand folgte ihm Arthur Bolthausen nach, als Geschäftsführer Franz Eickhorn. Beide sollten sich später in der Pogromnacht an der Zerstörung der Synagoge und der Ermordung → Max Levens beteiligen. Im Spar- und Bauverein zählte nun statt „Selbstverwaltung“ das „Führerprinzip“. Zahlungsunfähige und politisch anders denkende Mitglieder wurden rigoros ausgeschlossen. Die Bautätigkeit verringerte und verlagerte sich zunehmend auf kleine Einfamilienhäuser, die an ausgewählte Bewerber vergeben wurden und wegen minderwertiger Ausführung schnell Mängel aufwiesen. Soziale Zusatzeinrichtungen wurden 1940 endgültig verboten.

Nach dem Einmarsch der Amerikaner am 17. April 1945 wurde Oskar Rieß vorübergehend zum Oberbürgermeister ernannt und übernahm kurz darauf das Baudezernat. Er berief Richard Voigt und den späteren Oberbürgermeister Karl Haberland in die Geschäftsführung und wurde selber zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt. Die Kriegsschäden beliefen sich auf 8 Millionen Mark. Es dauerte bis 1952 bis die zerstörten Wohnungen größtenteils wieder hergestellt waren.

Armin Schulte / Daniela Tobias


Adressbuch 1929:
– Spar- und Bauverein eGmbH
Adressbuch 1931:
– Spar- und Bauverein eGmbH
Adressbuch 1938:
– Spar- und Bauverein Solingen
– Oskar Ries, Geschäftsführer

Quelle:
– „Gemeinsam Bauen und Wohnen, 100 Jahre Solinger Wohnungsbaugenossenschaften“, Armin Schulte, Solingen 1997

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