Am Dienstag, 3. März 2026 fand das jährliche Gedenken für die vor 83 Jahren am 3. März 1943 nach Auschwitz deportierten und größtenteils ermordeten Solinger Sinti statt. Unter ihnen waren 29 Kinder unter 14 Jahren. An der Korkenziehertrasse oberhalb der Potshauser Straße, wo die Familien während der NS-Zeit zwangsweise in Baracken leben mussten, erinnert seit 2007 ein Mahnmal an ihr Schicksal. Es wurde von der Jugendhilfe-Werkstatt, damals unter Leitung von Heinz Siering, errichtet.
Die Veranstaltung startete am Mühlenplatz mit Ansprachen von Dietmar Gaida (Solinger Appell) und Oskar Weiss (Sinti Allianz). Anschließend zog ein Mahngang durch die Innenstadt zur Korkenziehertrasse.
Seit Dienstag erläutern auf Initiative des Vereins Max-Leven-Zentrum Solingen e.V. und unter Mitarbeit des Stadtarchivs/Max-Leven-Zentrum zwei zusätzliche Infotafeln die Umstände ihrer Verfolgung, die Verantwortung der Stadtverwaltung, die sich damals aktiv an Diskriminierung, Ausbeutung und Organisation der Deportation beteiligte. Sie erinnern an die Menschen, die in den Tod geschickt wurden. Nur wenige von ihnen überlebten als einzige ihrer Familie. Sie kamen zurück in eine Gesellschaft, die nach wie vor Sinti und Roma stigmatisierte und ausgrenzte und ihnen Gerechtigkeit verwehrte. Auch heute noch zählen Vorurteile gegenüber der Gruppe der Sinti und Roma zu den am meisten verfestigten. So ist Erinnerung und das Versprechen „Nie wieder!“ gerade hier eine Frage des aktiven Eintretens für die Gleichwertigkeit und Menschenwürde aller.
Am Mahnmal an der Korkenziehertrasse sprachen Bürgermeisterin Ioanna Zacharaki und Roman Franz (Landesverband der Deutschen Sinti und Roma NRW) und drei Schüler:innen der FALS.
Es sprachen Dietmar Gaida für den Solinger Appell, Oskar Weiss für die Sinti Allianz, Bürgermeisterin Ioanna Zacharaki in Vertretung von OB Daniel Flemm, Roman Franz für den Landesverband der Sinti und Roma NRW und Schüler:innen der Friedrich-Albert-Lange-Schule. Die Tafeln wurden durch eine Förderung der Bezirksvertretung Mitte ermöglicht.


Zwei Tafeln erinnern nun mit Text und Bild an das Schicksal der Solinger Sinti in der NS-Zeit. Ein QR-Code führt zur Webseite mit weiteren Informationen.
Wir möchten an dieser Stelle auch an Winfried Borowski erinnern, den langjährigen ehemaligen Leiter der Jugendhilfe-Werkstatt, der Anfang Februar plötzlich verstorben ist. Die Jugendhilfe-Werkstatt hat nicht nur das Mahnmal an der Korkenziehertrasse initiiert und umgesetzt, sondern auch die Rahmen für verschiedene Infotafeln, z.B. zu dem Gräberfeld für Zwangsarbeiter:innen in Burg, an den Ehrenmalen in Höhscheid und Birken, zu den jüdischen Kaufleuten in Ohligs, zu den ermordeten alliierten Fliegern an der Potsdamer Straße und jetzt am Mahnmal angefertigt. Herr Borowski war dabei immer ein zuverlässiger und engagierter Partner, dem die Vermittlung der Geschichte an die Jugendlichen ebenso ein Anliegen war wie die schulische und berufliche Wiedereingliederung. Er wollte Verantwortungsbewusstsein in jeder Hinsicht vermitteln und das hat er auch selber sehr konsequent vorgelebt. Wir sind sehr traurig über diesen Verlust und hoffen, dass die Jugendhilfe-Werkstatt in seinem Sinne weiterhin ein Kooperationspartner für die Sichtbarmachung der Geschichte unserer Stadt im öffentlichen Raum bleibt. Seit 2023 pflegt der Verein auf Bitten von Winfried Borowski auch eine Webseite über das Mahnmal zum Brandanschlag von 1993, das ebenfalls von der Jugendhilfe-Werkstatt errichtet und nach wie vor betreut wird.










