#closedbutopen Paul Claasen

Da die Ausstellung „… und laut zu sagen: Nein.“ auf das Frühjahr 2021 verschoben werden musste, stellen wir jeden Samstag Teile daraus hier vor, um ein paar Eindrücke davon zu vermitteln, welche Formen, Strategien und Bedingungen es für den Widerstand gegen das NS-System in Solingen gab und welche Folgen ausbleibender Widerstand und Widerspruch hatten.

Paul Claasen kam am 19. April 1891 in Solingen zur Welt und wuchs in einer sozialdemokratischen Familie auf. Mit 14 Jahren begann er eine Lehre als Feilenhauer und wurde Mitglied im Metallarbeiterverband. Er engagierte sich im Arbeiterturnverein und war Mitbegründer des ersten Arbeiterschwimmvereins in Solingen. Wegen seiner Teilnahme an Streiks und gewerkschaftlichen Aktivitäten wurde er auf die „schwarze Liste“ der Fabrikanten gesetzt, verlor seine Arbeit und schulte zum Bademeister um. Nach seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg wurde er Mitbegründer des Spartakusbundes in Solingen, 1919 trat er in die neu gegründete KPD ein.

Paul Claasen kämpfte 1920 während des Kapp-Putsches in der „Roten Ruhrarmee“ am Hahnerberg in Wuppertal-Cronenberg gegen die Reichswehr und die konterrevolutionären Freikorps, die die Weimarer Republik zu Fall bringen wollten. 1928 wurde er Bauleiter des Freibades im Schellbergtal und Geschäftsführer des Arbeiterschwimmvereins Solingen.

Bau des Freibads Schellbergtal. Quelle: Stadtarchiv Solingen, RS 27951

Ab 1930 beteiligte er sich an Streiks der Revolutionäre Gewerkschafts-Opposition (RGO) und militanten Aktionen gegen die erstarkende NS-Bewegung. Nach dem Reichstagsbrand organisierte Claasen zusammen mit den Solinger KPD-Funktionären Ernst Bertram und Wilhelm Reeks den Wiederaufbau illegaler Gewerkschaftsgruppen im Raum Wuppertal. Nach ersten Festnahmen in seiner Umgebung floh er nach Oberhausen und Duisburg, wurde aber am 16. Mai 1935 in Sterkrade durch die Gestapo verhaftet. Paul Claasen erlebte in der Untersuchungshaft schwerste Folterungen.

Im Februar 1936 verurteilte ihn der Volksgerichtshof, der für dieses Verfahren in Essen tagte, wegen Hochverrats zu zehn Jahren Zuchthaus, die er bis 1943 im Zuchthaus Münster verbrachte. Danach überstellte man ihn ins österreichische KZ Mauthausen. In seinen Begleitpapieren stand RU, das heißt: Rückkehr unerwünscht. Im Februar 1944 wurde er in das Nebenlager KZ Ebensee zur Zwangsarbeit im Stollenbau für geheime Raketenproduktion verlegt. Paul Claasen überlebte durch die Hilfe eines tschechischen Arztes, der ihn als Hilfssanitäter einsetzte.

C. gibt nach Strafverbüßung zu der Befürchtung Anlaß, in Freiheit seine rechtsfeindlichen Bestrebungen fortzusetzen. Ich bitte, gegen C. Schutzhaft und die Einweisung in das Kl. Mauthausen – Lagerstufe III – anzuordnen.

Aus der Gestapo-Akte von Paul Claasen. Quelle: Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, RW 58, Nr. 45010
Häftlings-Personal-Karte von Paul Claasen aus dem KZ Mauthausen, Quelle: 01012603 oS/1397922/ITS Digital Archive, Arolsen Archives

Nach der Befreiung durch amerikanische Truppen kehrte er in seine Heimatstadt Solingen zurück. Paul Claasen wurde 95 Jahre alt. Bis zu seinem Tode blieb er aktiv in der KPD (später DKP) und in der VVN.


Quellen:
– Sbosny/Schabrodt, „Widerstand in Solingen“, Frankfurt am Main, 1975
– Stadtarchiv Solingen, RS 27951 und RS 27917
– ITS Digital Archive, Arolsen Archives: Individuelle Häftlings Unterlagen – KL Mauthausen 01012603 oS/1397922
– Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland: RW 58, Nr. 45010

Die empirische und konzeptionelle Grundlagenarbeit zur Ausstellung durch Dr. Stephan Stracke wurde mit Mitteln der Landeszentrale für politische Bildung NRW gefördert.

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