#closedbutopen Dr. Alexander Coppel

Da die Ausstellung „… und laut zu sagen: Nein.“ auf das Frühjahr 2021 verschoben werden musste, stellen wir jeden Samstag Teile daraus hier vor, um ein paar Eindrücke davon zu vermitteln, welche Formen, Strategien und Bedingungen es für den Widerstand gegen das NS-System in Solingen gab und welche Folgen ausbleibender Widerstand hatte.

Dr. Alexander Coppel, Quelle: Stadtarchiv Solingen, RS 20007

Als der Jurist Dr. Alexander Coppel 1896 in die väterliche Stahlwarenfirma eintrat, bestand diese 75 Jahre. Sein gleichnamiger Großvater hatte sie gegründet, sein Vater, der Geheimrat Gustav Coppel, Ehrenbürger der Stadt Solingen, weitergeführt. Gustav Coppel hatte sich in hohem Maße ehrenamtlich engagiert als Stadtverordneter und Beigeordneter seiner Heimatstadt sowie als Vorsitzender des Vorstandes der Synagogengemeinde. Mit ihren großzügigen Spenden und Stiftungen, insbesondere dem Coppelstift, bewies die Familie soziales Engagement.

Alexander Coppel trat also in große Fußstapfen, als sein Vater im Dezember 1914 starb. Er war ein erfolgreicher Industrieller, der die Firma sicher durch Weltkrieg und Inflationszeit führte. Auch er ließ sich in den Vorstand der Synagogengemeinde wählen, 25 Jahre lang als stellvertretender Vorsitzender, nach der Emigration von Siegfried Feist 1940 als Vorsitzender. Als Stadtverordneter der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) war er bis 1929 auch politisch aktiv.


Das Coppelstift wurde nach 1933 der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) übertragen, der Name 1935 in „Städtisches Säuglingsheim“ geändert. Die Firma „Alexander Coppel Solingen“, ein Unternehmen mit Weltruf, produzierte die typischen Solinger Kleineisenwaren. 1936 verloren Dr. Alexander und sein Bruder Carl Gustav Coppel nach einer Denunziation im antisemitischen Schmierblatt „Der Stürmer“ binnen sechs Wochen die Filiale Hilden an die Kronprinz AG und das Stammwerk Solingen an einen nichtjüdischen Angehörigen und einen weiteren Kaufmann.

„Mit der Möglichkeit hatte ich nie gerechnet, daß ich die Stätte des Glückes vor meinem Tode verlassen müßte. Sie ist mir ein Heiligtum. Ich gehe einen schweren Gang, aber ich weiß, mein Gott, auf den ich vertraue, verläßt mich nicht. […] Unzähligen Menschen guter Art und Bedeutung habe ich etwas sein, einer unabsehbaren Zahl von Bedürftigen helfen und mich selbst auf edler Stufe bis zum heutigen Tag immer weiterbilden und verinnerlichen können. Das tröstet mich.“

Dr. Alexander Coppel, 15. Juli 1942 in einem Brief an seinen Neffen Carl-Anton Reiche

Dr. Alexander Coppel musste alle Demütigungen mit ertragen. Als er Ende 1938 den Zusatznamen Israel hätte annehmen sollen, wählte er stattdessen den Namen Gideon, der als Richter ein streitbarer Anführer seines Volkes (im Buch Richter, Kap. 6 – 8) war, ein Signal für seinen Durchhaltewillen. Im Novemberpogrom 1938 wurde die wertvolle Wohnungseinrichtung, darunter ein Flügel und ein Gemälde von Carl Spitzweg, verwüstet.

Sein ältester Bruder Carl Gustav Coppel, der in Düsseldorf lebte, nahm sich am 25. September 1941 das Leben. Seine Töchter wurden 1942 in Bernburg an der Saale und in Sobibor ermordet. Dr. Alexander Coppel überlebte seine Deportation nach Theresienstadt um nur 14 Tage. Er starb dort am 4. August 1942.

„Im Juli 1942 kam Herr Dr. Coppel nach Theresienstadt, wie alle anderen ohne einen Pfennig Geld, nur mit den notwendigsten Kleidungsstücken und mußte dort auf dem Dachboden auf dem Stroh schlafen. Nach drei Wochen brach er infolge von Hunger und Entkräftung morgens am Brunnen, wo er sich waschen wollte, tot zusammen.“

Bericht des Solinger Arztes Dr. Emil Kronenberg, der 1944 ebenfalls nach Theresienstadt deportiert worden war.

In seiner Heimatstadt erinnert seit dem Jahre 2006 die Alexander-Coppel-Straße im Südpark an den Juristen und Fabrikanten. Am 28. September 2015 wurde die städtische Gesamtschule an der Wupperstraße nach Alexander Coppel benannt – eine Würdigung seines sozialen Engagements und seiner Haltung.

Anlässlich der Umbenennung der Alexander-Coppel-Gesamtschule besuchte Lehrer Wilhelm Bramann mit Eleonore Reiche die Tafel für ihre Schwiegermutter Anna Reiche am Familiengrab der Coppels. Foto: Daniela Tobias.

Quellen:
– Stadtarchiv Solingen: RS 20007, RS 20015 und RS 10125
– Wilhelm Bramann: „Coppel: Geschichte einer jüdischen Familie in Solingen 1770-1942“, Solingen 1994, 2. erweiterte Auflage Solingen 2012
– Armin Schulte: „Man soll mich nicht vergessen!“ Stolpersteine in Solingen, Schicksale 1933-1945, Solingen 2020, darin: Dr. Alexander und Carl Gustav Coppel
– Nationalarchiv Prag, Institut Theresienstädter Initiative: Sterbeurkunde Dr. Alexander „Gideon“ Coppel, CC BY-NC 3.0
– Daniela Tobias: Fotos Jüdischer Friedhof und Stolperstein

Die empirische und konzeptionelle Grundlagenarbeit zur Ausstellung durch Dr. Stephan Stracke wurde mit Mitteln der Landeszentrale für politische Bildung NRW gefördert.

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