#closedbutopen Paul Rux

Da die Ausstellung „… und laut zu sagen: Nein.“ auf das Frühjahr 2021 verschoben werden musste, stellen wir jeden Samstag Teile daraus hier vor, um ein paar Eindrücke davon zu vermitteln, welche Formen, Strategien und Bedingungen es für den Widerstand gegen das NS-System in Solingen gab und welche Folgen ausbleibender Widerstand und Widerspruch hatten.

Der Schlosser Paul Rux wurde am 7. November 1910 in Wald geboren, war verheiratet und hatte zwei Kinder. Er trat 1925 dem KJVD, der Jugendorganisation der KPD, bei und war später auch in der KPD aktiv. Seit 1927 war er Mitglied im Jung-Rotfrontkämpferbund. Sein Enkel Thomas Schmidt bewahrt zahlreiche Fotos und Dokumente seines Großvaters auf.

Oben links: Paul Rux Ende der 1920er Jahre; oben rechts: RFB-Anstecker aus dem Mai 1929; unten: Rote Jungfront, der Jugendverband des RFB, Abteilung Wald, 1927, Paul Rux: 4. v. l., Quelle: Thomas Schmidt


Am 10. Mai Mai 1933 wurde Paul Rux verhaftet und im Juli 1933 in das KZ Kemna in Wuppertal-Beyenburg verschleppt, wo er brutale Folter sadistischer SA-Wachmänner erlebte. Es folgte von Januar bis April 1934 Zwangsarbeit im KZ Börgermoor in Norddeutschland. Nach der Entlassung aus dem KZ wurde er wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ angeklagt und von Juli bis November 1934 in Isolationshaft im Zuchthaus Remscheid-Lüttringhausen festgehalten.

„Am Eingang, da mussten wir uns aufstellen, und dann stand die SA da und wir mussten Spießruten laufen – so nennt man das – rechts und links stand die SA mit Gummiknüppeln, mit Peitschen, alles was sie gerade hatten zum Schlagen. Und da war jeder froh, wenn er durch diesen Gang und rechts und links SA-Leute durch war, bis in den Saal rein.“ – „Das schlimmste war dann noch, wenn einer so halb tot geschlagen worden ist, und schwarz und blau der Rücken, in zwei Tagen war der schon wieder da, da wurde dasjenige, was eben noch gut war auf dem Rücken, das wurde da noch kaputt geschlagen.“

Paul Rux in einem Interview für die WDR Lokalzeit Bergisch Land aus den 1990er Jahren über seine Haftzeit in der Kemna.

Oben links: Haftbefehl gegen Paul Rux; oben rechts: Vorladung des Oberlandesgerichts Hamm; unten: Entlassungsschein von Paul Rux aus dem KZ Börgermoor. Quelle: Thomas Schmidt


Nach der Entlassung aus dem Zuchthaus war Rux zwar weiterhin im Widerstand tätig, allerdings standen er und seine Familie unter dauernder Beobachtung durch SA und Gestapo.

Ende Dezember 1942 wurde Paul Rux erneut verhaftet und in das „Bewährungsbataillon 999“ eingezogen, das den Militärstrafvollzug in den Dienst der Kriegführung stellte. Er war unter anderem in Südfrankreich, Ägypten und Griechenland stationiert. Einem Angriff, dem viele seiner Kameraden zum Opfer fielen, entkam er, weil er sich zu der Zeit im Lazarett befand. Nach der Kapitulation war er bis Mitte 1947 in englischer Kriegsgefangenschaft auf der Insel Rhodos.

Links: Paul Rux und seine Erkennungsmarke, oben rechts: Bewährungsbataillon 1944 in Frankreich, Paul Rux: dritter von links stehend; unten rechts: Soldbuch von Paul Rux. Quelle: Thomas Schmidt


In der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) setzte sich Rux nach dem Krieg für die Aufarbeitung der NS-Verbrechen in Solingen ein. Er war weiterhin politisch in der KPD und später in der DKP tätig. Er und seine Frau Else waren aktive Mitglieder bei den Naturfreunden. Als er am 10. November 1997 mit 87 Jahren starb, war er der letzte Überlebende des KZ Kemna.

„Wenn er geweint hat, hieß es immer: Lass Papa in Ruhe, er hat wieder seinen Koller.“

Ellen Müller über ihren Vater Paul Rux, den sie erst 1947 im Alter von vier Jahren kennen lernte.

Oben links: Else Rux (links) bei der Arbeit, ca. 1930. Während ihr Mann in Haft, beim Militär und in Gefangenschaft war, musste sie die Familie allein druchbringen; unten links: Paul Rux mit Sohn Günter, Tochter Ellen und Ehefrau Else; Rechts: Die Ehrenurkunde der VVN-BdA, die Paul Rux 1978 für seinen Einsatz zur Aufarbeitung der NS-Verbrechen in Solingen verliehen wurde, ist von Joseph Cornelius Rossaint unterzeichnet. Der katholische Priester war 1945 unter denjenigen Häftlingen, die am Wenzelnberg erschossen werden sollten. Er wurde in Absprache mit dem Leiter der Gestapo-Außenstelle Wuppertal, Josef Hufenstuhl, verschont. Quelle: Thomas Schmidt


Quellen:
– Thomas Schmidt
– Landesarchiv NRW Westfalen, Q 211a Nr. 13899, 13901 und 13902

Die empirische und konzeptionelle Grundlagenarbeit zur Ausstellung durch Dr. Stephan Stracke wurde mit Mitteln der Landeszentrale für politische Bildung NRW gefördert.

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