#closedbutopen Ewald und Willi Peiniger

Da die Ausstellung „… und laut zu sagen: Nein.“ auf das Frühjahr 2021 verschoben werden musste, stellen wir jeden Samstag Teile daraus hier vor, um ein paar Eindrücke davon zu vermitteln, welche Formen, Strategien und Bedingungen es für den Widerstand gegen das NS-System in Solingen gab und welche Folgen ausbleibender Widerstand hatte.

Willi und Ewald Peiniger im Juni 1930, Quelle: Dorothea Melcher

Der Werkzeugmacher Ewald Peiniger, geboren am 5. Juli 1881, war seit der Weimarer Republik als Funktionär der KPD und in der Konsumgenossenschaft „Hoffnung“ tätig. Außerdem engagierte er sich gewerkschaftlich.

Ende 1936 begann die Gestapo in Solingen-Wald eine kommunistische Widerstandsgruppe um Albert Teichert zu zerschlagen. Mehr als zwanzig Regimegegner wurden verhaftet. Sie wurden beschuldigt, illegale Organisationen gebildet, Schriften verteilt, Geld für politisch Verfolgte gesammelt und den Moskauer Rundfunk gehört zu haben. Zu den Verhafteten gehörte auch der 55-jährige Ewald Peiniger, der am 23. März 1937 von der Gestapo ins Polizeigefängnis im Solinger Stadthaus an der Potsdamer Straße eingeliefert wurde. Während der Vernehmungen erlitt er schwere Misshandlungen.

Drei Tage später, am 26. März 1937, teilte die Gestapo seiner Frau lapidar mit: „Ihr Mann hat sich im Gefängnis des Stadthauses erhängt.“

1995 zeigte der Widerstandskämpfer Willi Gottfried der Solinger Filmemacherin Yvonne Dobrodziej für den Dokumentarfilm „Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch…“ die ehemaligen Gefängniszellen unter dem alten Solinger Rathaus, wo er selber inhaftiert war und wo Ewald Peiniger ums Leben kam. Das Gebäude wurde 2001 abgerissen.

Zur gleichen Zeit verbüßte sein Sohn Willi Peiniger, geboren am 23. Mai 1912, eine zweijährige Haftstrafe wegen „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“, zu der er am 29. August 1935 vom Oberlandesgericht Hamm verurteilt worden war. Er gehörte zu einer Gruppe junger Männer, die aus früheren Mitgliedern eines inzwischen verbotenen Arbeitersportvereins hervorgegangen war. Willi Peiniger hatte erst nach Gegenüberstellung mit einem Zeugen und vermutlich auch nach Misshandlungen zugegeben, im Auftrag von Ernst Buschmann Beitragsmarken des Kommunistischen Jugendverbands verkauft zu haben.

„Ich habe dieses Ansinnen zunächst abgelehnt, indem ich zu Buschmann sagte, dass ich eine staatsfeindliche Tätigkeit für viel zu gefährlich halte und dass es auch sowieso zwecklos sei, für den kommunistischen Jugendverband noch irgend etwas zu tun.“

Erpresstes Geständnis Willi Peinigers vom 9. Mai 1935, Quelle: LAV NRW W, Q 211a / Generalstaatsanwaltschaft Hamm, Erstinstanzliche Strafsachen Nr. 6668

Nach seiner Entlassung bemühte sich Willi Peiniger um die Wiedererlangung seiner „Wehrwürdigkeit“ und arbeitete während des Krieges in den Kieler Werften, da man ihn warnte, in eine normale Einheit zu gehen. Er starb 1948 an Tuberkulose.

Quellen:
– Dorothea Melcher: Familienfotos
– Armin Schulte: Stolpersteinbiographie Ewald Peiniger in „Man soll mich nicht vergessen!“ Stolpersteine in Solingen, Schicksale 1933-1945, Solingen 2020 
– Landesarchiv NRW Westfalen, Q 211a / Generalstaatsanwaltschaft Hamm, Erstinstanzliche Strafsachen Nr. 6668
– Yvonne Dobrodziej: „Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch…“, 1995

Die empirische und konzeptionelle Grundlagenarbeit zur Ausstellung durch Dr. Stephan Stracke wurde mit Mitteln der Landeszentrale für politische Bildung NRW gefördert.

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